Gesine Doernberg: Der Weihnachtsmann (1993)


1.Teil: Am 24. Dezember im Jahre 1993 in Deutschland.

1. Bild: (3 Kinder: Bernd, Anna und Julia unterhalten sich)

Julia: Ich freue mich ja so, dass heute endlich Heilig Abend ist! Ich konnte schon die ganze Nacht nicht schlafen, so sehr freue ich mich, dass heute abend endlich der Weihnachtsmann kommt.
Anna:

Mir geht es genauso, ich bin so gespannt darauf, was mir der Weihnachtsmann bringen wird.

Bernd: Glaubt ihr etwa noch an den Weihnachtsmann? Voriges Jahr habe ich auch noch daran geglaubt, aber dann hat mein großer Bruder mir gesagt, dass alles gelogen ist; die Geschenke sind von unsern Eltern, und es gibt gar keinen Weihnachtsmann.
Julia: Doch, es gibt einen Weihnachtsmann! Meine Mutter hat es gesagt, und meine Mutter lügt nicht!
Anna: Außerdem habe ich doch dem Weihnachtsmann einen Wunschzettel geschrieben!
Bernd: Den Wunschzettel haben deine Eltern behalten und danach die Geschenke gekauft. Ihr könnt es mir glauben, es gibt keinen Weihnachtsmann!
Julia: Wir wollen meine Mutter fragen, denn meine Mutter lügt nicht.
Anna: Ja, das wollen wir tun.

2. Bild: (3 Kinder, Mutter)

Julia: Mutti, denk mal, Bernd sagt, es gibt keinen Weihnachtsmann!
Mutter: Ach ja, viele Menschen meinen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, weil sie die Geschichte vom guten Bischof Klaus nicht mehr kennen, die vor mehr als tausend Jahren passiert ist. Wenn ihr Zeit habt, will ich sie euch gern erzählen.
Anna: Oh ja, bitte erzähl uns die Geschichte vom Weihnachtsmann!

2. Teil: Am 24. Dezember im Jahr 394 n.Chr. in Myra (Kleinasien)

3. Bild: (Bischof Klaus im roten Mantel mit weißem Besatz, Bischofskreuz und Bischofshut mit zwei Gehilfen)

Bischof Klaus: (zu seinen Begleitern) Kommt, wir wollen in die Kirche gehen und allen, die hier in Myra an Christus glauben, die frohe Botschaft verkünden, dass wir heute das Geburtstagsfest des Sohnes Gottes feiern!
1. Gehilfe: Aber die Römer haben uns verboten, über unseren Glauben öffentlich zu sprechen.
2. Gehilfe: Ich habe Angst, sie könnten uns töten oder ins Gefängnis werfen.
Bischof Klaus: Unser Herr Jesus Christus, dessen Geburt wir heute feiern, ist später auch nach Jerusalem gegangen, obwohl er wusste, dass sie ihn dort umbringen würden. Er ist für uns gestorben, darum müssen wir uns auch für ihn in Gefahr begeben.
1. Gehilfe: Aber ob überhaupt jemand in die Kirche kommen wird? Sicher haben alle, die zu uns gehören, Angst vor den Römern.
2. Gehilfe: Außerdem sind schon viele unserer Leute von den Römern getötet worden, und die Übriggebliebenen müssen wegen der Hungersnot sehen, wo sie etwas zu Essen für sich und ihre Kinder herkriegen.
Bischof Klaus: Besonders die Kinder tun mir leid, dass sie so leiden müssen. Viele müssen auf den Strassen betteln, oder ihre Eltern verkaufen sie als Sklaven, um Geld zu haben, weil das Brot so teuer ist. Auch unter der Hungersnot leiden die Kinder am meisten. Ich könnte weinen, wenn ich die vielen armen Kinder sehe.
1. Gehilfe: Aber du hast doch schon so viel für die Kinder getan! Jeden Mittag gibst du ihnen auf dem Platz vor der Kirche zu essen, und du hilfst ihnen, wo du nur kannst!
Bischof Klaus: Es ist viel zu wenig, was ich tun kann. Aber wir müssen uns jetzt beeilen, sonst kommen wir zu spät zur Kirche.

4. Bild: (In der Kirche. Bischof Klaus und zwei Gehilfen kommen herein. Einige Gemeindeglieder sitzen in den Bänken. Bischof geht nach vorne.)

1.Gehilfe: (leise zum 2. Gehilfen) Gott sei Dank, keiner hat uns gesehen, da wird es wohl noch einmal gut gehen.

(Sie setzen sich in die Kirchenbänke zu den Gemeindegliedern.)

Bischof Klaus: (von vorn) Liebe Brüder und Schwestern, wir feiern heute Weihnachten in einer schweren Zeit. Hunger, Verfolgung, Not und Armut bedrängen uns. Aber lasst uns bedenken, dass auch die Geburt unsres Herrn Jesus Christus zu einer schweren Zeit stattfand. Weihnachten ist ja das Fest, das wir Christen jedes Jahr zum Gedenken an die Geburt unseres Herrn Jesus Christus feiern. Er war Gottes Sohn voller Kraft und Mächtigkeit, aber er war auch ein armer und elender Mensch, der bei seiner Geburt genauso hungrig und obdachlos war wie viele Kinder in unserer Stadt. Ich will euch von der Geburt dieses Kindes erzählen.

3. Teil: Am 24. Dezember im Jahre vor Christi Geburt in Bethlehem

5. Bild: (Joseph und Maria erschöpft)

Maria: Ach Joseph, es ist schon Abend und ich bin so müde. Sieh doch, dass wir irgendwo ein Lager bekommen können.
Joseph: Ach Maria, ich möchte dir so gern helfen, aber du weißt ja, dass wir wenig Geld haben. Die teuren Gasthäuser können wir nicht bezahlen, und die billigen sind alle besetzt.
Maria: Ach Joseph, ich habe solche Schmerzen, ich kann nicht mehr weiter!

(Ein Mann kommt auf die Bühne)

Joseph: (zu Maria) Setz dich ein wenig hier auf diesen Stein, ich will den Mann dort drüben fragen.
(Maria setzt sich)  
Joseph: (zu dem Mann) Sag einmal, kannst du mir keinen Rat geben? Meine Frau erwartet ein Kind und hat Schmerzen, sie müsste sich irgendwo hinlegen.
Mann: Ärzte oder Krankenhäuser gibt es hier nicht, aber dort drüben auf dem Feld steht ein Stall, darin wird wohl etwas Stroh zu finden sein, wo deine Frau sich hinlegen kann.
Joseph: Vielen Dank!
(Mann ab)  
Joseph: (zu Maria) Wollen wir das machen?
Maria: Ja, ja, bloß schnell, dass ich mich hinlegen kann.

(Sie gehen zum Stall.)

6. Bild: (Im Stall. Maria mit dem Kind, Joseph.)

Joseph: Gott sei Dank, Maria, du hast es geschafft, da ist das Kindlein.
Maria: Ja, Joseph, ich bin auch sehr froh. (Pause) Wo sollen wir das Kind denn hinlegen?
Joseph: Ganz einfach, wir wickeln es in die Windeln, die wir vorsichtshalber mitgebracht haben, und legen es in die Futterkrippe.
Maria: Ja, das ist gut. (Pause) Jetzt möchte ich gern etwas essen.
Joseph: Ach, Maria, ich habe nichts für dich, es gab nirgends etwas zu kaufen.
Maria: Ist nicht schlimm, ich halte es schon aus, aber das arme Kind tut mir leid.
Joseph: Es ist wirklich ein Elend, aber was sollen wir machen?

(Es klopft. Joseph und Maria erschrecken)

Maria: Wer wird das sein? Kommt vielleicht der Besitzer des Stalles, um uns rauszuwerfen? Oh wir Armen!
Joseph: Ich werde nachsehen. Vielleicht kann ich ihn besänftigen.

(Joseph öffnet die Tür. Zwei Hirten kommen aufgeregt herein)

1. Hirte: (zum 2. Hirten) Ja, sieh nur, genau wie der Engel gesagt hat: Das Kind ist in Windeln gewickelt und liegt in einer Futterkrippe.
Joseph: Was wollt ihr?
Maria: Wir sind arm und schwach, bitte tut uns nichts!
2. Hirte: Bist du die Mutter von diesem Kind?
Maria: Ja, es ist gerade geboren.
2. Hirte: So will ich euch erzählen, was uns heute nacht zugestoßen ist. Wir waren hier in der Nähe auf dem Feld und haben Schafe gehütet. Plötzlich wurde es ganz hell um uns, und wir bekamen große Angst. Aus dem Hellen kam ein Engel, der sagte zu uns: „Fürchtet euch nicht. Heute nacht ist ein göttliches Kind geboren. Es heißt Jesus Christus und wird allen Menschen helfen, wenn es groß ist. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.“ Als der Engel verschwunden war, gingen wir das Kind suchen. Und siehe da, hier ist es! Wir wollen es anbeten.
Maria: Ich weiß, dass dieses Kind ein besonderes Kind ist. Auch mir ist vor einiger Zeit ein Engel erschienen, der es mir gesagt hat, und Joseph hat es auch durch einen Gottesboten erfahren. Trotzdem verstehe ich es nicht. Wie kann ein Kind von so armen Leuten wie wir, die hier fremd sind und keine Bleibe haben, ein von Gott geschickter Erlöser sein?
1. Hirte: Das wissen wir auch nicht, aber der Engel hat es deutlich gesagt, also stimmt es. Ich sehe, dass ihr nichts zu essen habt. Hier habe ich in meinem Mantelsack noch ein großes Stück Lammfleisch von gestern, das lasse ich euch hier.
2. Hirte: Hier habt ihr auch ein Schaffell, darauf könnt ihr das Kind legen, das ist weicher als Stroh.
Maria: Habt vielen Dank, ihr guten Leute. Ja, mein Kind ist sicher ein besonderes Kind, das allen Menschen Segen bringt!

4. Teil: Am 24. Dezember im Jahre 304 n. Chr. In Myra (Kleinasien)

7. Bild (In der Kirche: Bischof Klaus, zwei Gehilfen und Gemeinde)

Bischof Klaus: Das also war die Geschichte von der Geburt unseres Heilandes Jesus Christus, der arm und schwach zur Welt kam, und dem Gott doch die Macht gegeben hat, alle Menschen innerlichfroh zu machen. Später wurde er ein großer Prediger, und er sagte zu seinen Freunden: „Lasset die Kinder zu mir kommen. Denn Gott hat sie lieb. Ich sage euch, wenn ihr einem dieser Kleinen Gutes getan habt, das habt ihr mir getan.“ So lieb hatte er die Kinder, und darum sollen wir auch die Kinder lieb haben . Er sagte aber auch: „Selig sind, die um meinetwillen verfolgt werden, denn sie werden Gott sehen.“ Und darum, liebe Brüder und Schwestern, sollen wir uns nicht fürchten vor den Römern. Selbst wenn sie uns verfolgen und töten, können sie uns letzten Endes nichts tun, denn unsere Seele wird zu Gott und Christus aufsteigen und ewig leben. Amen.

(Bischof Klaus verlässt die Kirche, die beiden Gehilfen und die Gemeinde folgt ihm.)

8. Bild (Auf dem Marktplatz. Bettelnde Kinder. Bischof Klaus mit zwei Gehilfen und einigen Gemeindegliedern aus der Kirche kommend)

1. Kind: Oh bitte, gib mir ein Stück Brot, ich habe seit gestern nichts gegessen.
2. Kind: Oh bitte, helft mir, meine Eltern wollen mich an die Römer verkaufen!
3. Kind: Was soll ich bloß tun? Meine Großmutter ist krank und hat keinen Platz zum Schlafen, weil wir so arm sind!
Bischof Klaus: Oh ihr Armen, kommt her, ich will tun, was ich kann. (zum 1. Kind): Hier hast du ein ganzes Brot, das reicht für einige Tage, dann komm wieder her.
1. Kind: Danke!

(Drei römische Soldaten erscheinen auf dem Platz)

1. Gehilfe: Vorsicht, Bischof, dort drüben kommt eine Gruppe römischer Soldaten, wir sollten hier verschwinden!
Bischof Klaus: Was? Ich denke gar nicht daran, die Kinder hier allein zu lassen!
1. Gemeindeglied: (leise zum 2. Gemeindeglied) Ich mache mich aus dem Staube.
2. Gemeindeglied: Ich auch.

(Gemeindeglieder ab)

1. Römer: (zum 2. Römer) Da ist der Bischof dieser Christen, wir wollen doch hören, ob er etwas Verbotenes sagt.

(Die Römer kommen näher)

Bischof Klaus: (zu dem 2. Kind) Hier hast du Geld für deine Eltern, damit sie dich nicht verkaufen müssen. Jesus Christus, an den ich glaube, hat gesagt: Lasset die Kinder zu mir kommen.
2. Römer: (zum 1. Römer) Hast du das gehört, er hat gesagt, er glaubt an Jesus Christus!
1. Römer: Ja, ich habe es gehört. (Zum Bischof) Ich komme im Auftrag des römischen Kaisers. Du sollst sofort hier das Bild des Kaisers anbeten, sonst musst du sterben.
Bischof Klaus: Nie werde ich das tun, denn der Kaiser ist ein Mensch und kein Gott, darum kann ich ihn nicht anbeten. Ich bete nur Gott und Jesus Christus an.
1. Römer: So stirb! (Er ersticht ihn)

(Römer ab. Die zwei Gemeindeglieder kommen wieder hervor und tragen den Bischof weg.)

3. Kind: (die Hände vors Gesicht schlagend) Oh Unglück, nun gibt es für mich keine Hilfe mehr! (weint)
2. Kind: Er war so gut zu uns, und nun ist er tot!
1. Kind: Wer wird uns nun zu Essen geben?
2. Gehilfe: Weint nicht, wir werden weiterführen, was er angefangen hat.
1. Gehilfe: Wir werden sein Andenken bewahren und den Kindern jedes Jahr in der Weihnachtszeit von ihm erzählen.
2. Gehilfe: Wir werden erzählen, dass er immer getan hat, was Christus gesagt hat, und dass er die Kinder so lieb hatte und ihnen immer etwas schenkte.

(Sie nehmen die Kinder an der Hand und gehen weg.)

5. Teil: Am 24, Dezember im Jahre 1993 in Deutschland

9. Bild (Die Mutter und die drei Kinder)

Mutter: Seht ihr, das ist die Geschichte vom guten Bischof Klaus, der auch Nikolaus genannt wurde. Viele, viele Jahre haben die Eltern sie ihren Kindern in der Weihnachtszeit erzählt, und nach und nach ist der Weihnachtsmann daraus geworden. Man stellt ihn sich immer noch in den gleichen Kleidern vor, wie sie der gute Bischof Klaus getragen hat, und man weiß immer noch, dass er so gut zu den Kindern war und ihnen Geschenke machte.
Bernd: Aber der Bischof Klaus ist doch längst tot, der kann doch nicht jedes Jahr kommen und den Kindern Geschenke bringen!
Mutter: Nein, natürlich nicht, es ist nur die Erinnerung an ihn, die weiterlebt, denn der Bischof war ja ein Mensch wie wir und kein göttliches Wesen. Darum kann er auch nicht jede Weihnachten wiederkommen, das kann nur Jesus Christus, der Gottes Sohn war.
Julia: Gibt es denn nun den Weihnachtsmann wirklich?
Mutter: Es gab ihn wirklich, und es gibt ihn in der Erinnerung an den guten Bischof Klaus, von dem ich euch erzählt habe.
Anna: Aber heute Abend, kommt da der Bischof und bringt mir die Geschenke?
Mutter: Die Geschenke kommen natürlich von Leuten, die heute leben und dich lieb haben. Aber Jesus, dessen Geburt wir heute feiern, hat gesagt, dass wir bescheiden sein und keinen Dank für unsere Geschenke verlangen sollen. Und darum sagen die Eltern lieber: Der Weihnachtsmann hat die Geschenke gebracht. Damit gedenken sie zugleich an den guten Bischof Klaus und handeln nach dem Gebot von Jesus Christus, dass man nicht mit seinen guten Gaben angeben soll.

 

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